Mittwoch, 3. Januar 2018

Rezension: Sherlock Holmes - Die Moriarty-Akte

Sherlock Holmes – Die Moriarty-Akte

von CED – Bout Anox




=[ Harte Fakten ]=

- Pegasus Press 2017
- Hardcover
- 14,95 Euro


=[ Worum geht’s denn eigentlich? ]=

Hier liegt tatsächlich etwas sehr Außergewöhnliches vor mir! Ein Spiele-Comic-Krimi sozusagen! Ihr kennt sicher noch die „Du-entscheidest-selbst-Bücher“? Das ist hier ist quasi ein analoger Comic – mit gleich drei Fällen!
Es handelt sich hier um den zweiten Teil, den man aber völlig unabhängig spielen kann.

Klappentext:
Während einer Bahnreise werden Meisterdetektiv Sherlock Holmes und sein treuer Weggefährte Dr. Watson mit einem mysteriösen Todesfall konfrontiert. Noch beunruhigender als dieser Vorfall ist aber, wen ihr diesmal als Verbündeten auf eurer Seite habt: ausgerechnet euren Erzfeind James Moriarty! […]

=[ Meine Meinung ]=

Puh wo fange ich denn da nur an?

Was zu allererst zu loben gilt, sind die wundervollen Zeichnungen! Je öfter man sich die Panels ansieht, desto mehr Details fallen einem auf. Wirklich sein sehr schöner Zeichenstil, auch die Charaktere sind ausreichend markant, um sie auseinander zu halten.

Am Anfang des Buches gibt es eine kurze Einführung, wie mit diesem Spiele-Comic zu verfahren ist. Aller sehr simpel und einleuchtend und ich war sofort gespannt, denn man kann den Charakteren tatsächlich auch Fragen stellen und sie reagieren entsprechend darauf. Wie sollte das denn gehen? Aber nach Beendigung der Fälle kann ich sagen – es geht sogar sehr gut!

Und zwar so gut, dass man als Leser und Detektiv sofort merkt – hoppla! Hier hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht und viel Liebe und Zeit investiert! Generell sind die Wege und Möglichkeiten sehr gut durchdacht. Was mich zum folgenden Punkt bringt. 271 Seiten ohne Lösungsheft. Und das ganze dann aufgeteilt auf 3 Fälle, teilweise noch mit Erklärungen. Ich fand das schon sehr sportlich, muss aber sagen, die Seiten kommen prima hin. Nichts ist gekürzt oder abgehackt oder zieht sich zu lang. Das hätte ich persönlich nicht gedacht.

Schon im ersten Fall wird klar: Wir brauchen hier etwas, um Notizen zu machen. Anders als bei den typischen Büchern, bei denen man zu Seiten blättern muss, kommt es hier nämlich auf die Panelnummer an. Und da verliert man sehr sehr schnell den Überblick. Vor allem, wenn man den Zwang hat, alles wirklich zu erkunden und jeden einzelnen Weg zu gehen – so wie ich.
Deshalb habe ich auch etwas länger gebraucht als andere – sorry liebes Pegasus-Team.

Der Clue hinter dem Ganzen: Man kann sowohl als Holmes, als auch als Watson spielen und später sogar noch als Moriarty. Jeder Charakter hat sozusagen eine Spezialfähigkeit.

Ich habe den ersten Fall als Sherlock Holmes gespielt, den zweiten als Dr. Watson und den Dritten als Holmes. Bin aber auch auf Moriartys Spuren gewandelt. Es macht unheimlich viel Spaß, alles genau anzusehen. Trotz des kindlich anmutenden Stils haben es die Fälle ganz schön in sich und ich kann euch verraten, dass ich nur einmal zu 100 % richtig lag und das war bei Fall Nummer 1. Es ist auch noch anzumerken, dass hier drei Fälle zu lösen sind, die aber doch irgendwie miteinander verwoben sind. Alle ist sehr stimmig und fügt sich gut zusammen.

Was wir hier haben ist auf jeden Fall ein Paradebeispiel für ein perfektes Preis-Leistungsverhältnis. Für 14,95 Euro bekommt man ein Hardcoverbuch mit fast 300 Seiten, dass einen über 6 Stunden beschäftigt – wenn man möchte! Da Comics ja mittlerweile sehr teuer sind, finde ich denn Preis absolut gerechtfertigt und ich finde es eignet außerdem ein wundervolles Geschenk für Groß und Klein, Sherlock Fans oder Comicfreunde.

Der Einzige Kritikpunkt den ich habe ist, dass während der Fälle immer wieder von Wiggins die Rede ist (Das ist ein kleiner Straßenjunge aus dem Kanon, der Holmes unter die Arme greift), der jedoch im Buch unauffindbar bleibt. Warum das so ist, wird leider erst ganz zum Schluss geklärt: Der Verlag möchte auf Messen und Spielertreffen eine Art Bonuskarte verteilen, mit der man dann Wiggins finden kann. Wiggins an sich ist nicht notwendig zur Lösung der Fälle, aber es war schon sehr enttäuschend 270 Seiten lang nach einem Charakter zu suchen, den es so nicht gibt. Erklärt wird das nämlich wie bereits erwähnt erst am Ende des Buches. Hätte man eigentlich auch am Anfang erklären können (oder den Rezensenten bei Lovelybooks eine Karte zukommen lassen können).

Man sollte sich auf jeden Fall mehrere Notizzettel parat legen und einen Tee aufsetzen. Denn mein lieber Watson, es wird turbulent!

=[ Fazit ]=

Absolut gelungene Umsetzung zu einem unschlagbaren Preis!


=[ Wertung: 5 von 5 ]=

Montag, 1. Januar 2018

Nostalgic Books' Jahresrückblick

=[ Nostalgic Books' 2017 ]=




Hey ihr Lieben! 

Nach vielem Hin und Her habe ich mich dazu entschieden, auch einen kleinen Jahresrückblick zu machen. 

Wie bei anderen auch, war es auch bei mir ein "auf und ab" mit Tendenz zum schnellen und gnadenlosen "ab". Dennoch möchte ich euch den Blick in mein 2017 nicht verwehren und will nochmal zusammenfassen, auch für mich, was hier so los war. Das letzte Jahr hat mich gesundheitlich und vor allem aber psychisch vor harte Proben gestellt. Aber ich wusste immer, es geht irgendwie weiter aufgeben war und ist nie eine Option. 

Neue Jahre beginnen immer harmlos. Wir waren also an Silvester mit der Familie beisammen, hatten besuch von Verwandten aus New York und haben das neue Jahr zusamen begrüßt. Die Vorsätze waren ähnlich wie im letzten Jahr: Entschleunigen, "Alltag" einführen. Eben solche Tage, an denen alles nach Plan läuft. Man nicht von Termin zu Termin hetzt und die Dinge geregelt sind. Es ging zuvor immer drunter und drüber "von hinten durch die Brust ins Auge" und aus irgendeinem Grund dachte ich, dass 2017 ruhiger wird. Selbstbestimmter, kontrollierter.

Und ich kann euch verraten, der Schuss ging ganz schön nach hinten los. Ich konnte immernoch nicht richtig laufen.. einige wissen es. 2016 hatte ich mir beim Dienstsport den rechten Vorderfuß kompliziert gebrochen und die Genesung hat länger gedauert, als wir alle dachten. Also eigentlich wollte ich zurück in meinen Beruf, den ich liebe meinen Job als Wachtmeisterin. Doch dann hat mir der Fuß erstmal einen Strich durch die Rechnung gemacht. 

So verbrachte ich also die ersten Monate zuhause, ans Bett gefesselt mehr oder weniger und nicht in der Lage, einen schmerzfreien Schritt zu gehen. Neben Physiotherapie und Arztmarathon ging das ganz schön an die Nerven. 

Im Juni konnte ich endlich wieder eingliedern! Ich war so glücklich, endlich wieder auf die Arbeit zu können und meine Kollegen wieder zu sehen. Umso herber war dann der Rückschlag, als meine Kollegen sich nicht ganz so sehr darauf gefreut hatten wie ich. Verständlich ja - da kommt jemand, der war ein ganzes Jahr lang krank. Aber der Fehler lag nie bei mir. Ich hatte einfach nur das Pech, mir den Fuß gebrochen zu haben und an die falschen Ärzte gelangt zu sein.

Zu dieser Zeit bin ich oft verzweifelt. Und hatte durchaus auch Gedanken, die man niemals haben sollte. Aber so ist das als Mensch. Natürlich habe ich mich durchgebissen, auch wenn es hart war.

Zwei kleine Notigel haben ihren Weg zu uns gefunden...leider mussten wir uns von einem bald wieder verabschieden, da ihre Krankheit zu weit fortgeschritten war. Ich denke oft an dich Rocket. ♥




Mitte August, genauer gesagt an unserem Hochzeitstag bestätigte sich mein "komisches Gefühl" und der Schwangerschaftstest war positiv! ♥ Endlich eine schöne -wenn auch unerwartete- Nachricht! Kinder suchen sich den Zeitpunkt ja selbst aus. Wir haben uns über die Nachricht riesig gefreut und Freunde und Familie freuten sich mit uns. Vor allem die Omas waren natürlich nah am Wasser gebaut. 

Die überschwängliche Freude hielt nicht ganz so lange, denn bald stellten sich bei mir massive körperliche Schwangerschaftsprobleme ein und ich konnte nichts mehr essen. Natürlich hatte ich dazu noch das Pech, dass meine Frauenärztin das überhaupt nicht ernst genommen hat. Ich nahm ab und verbrachte die Nächte vor dem Klo, vor lauter Übelkeit und Schüttelfrost. Mir ging es wirklich nicht gut. 

September dann war der Startschuss für den Hausbau und gleichzeitig verabschiedete sich mein Mann nach Straubing, zu seiner beruflichen Ausbildung. Da stand ich nun, allein mit 50 Telefonanrufen am Tag, komplett in der Verantwortung. Musste Dinge entscheiden, von denen ich nie zuvor gehört hatte und schnell konnte ich dann auch nachts nicht mehr schlafen. 

Meine Mama ist extra aus Aschaffenburg eingereist und auch meine Schwiegermama haben wir in dieser Zeit sehr geholfen, das alles zu bewältigen. Mit viel Schweiß und Tränen haben wir es irgendwie hinbekommen, die Bauphase im Oktober und November zu überstehen. Leider funktionierten bei Einzug weder Warmwasser noch Heizung und ich habe mir nochmal eine schöne saftige Blasenentzündung geholt. Super!

Daneben noch den Blog zu betreiben, oder "abszuschalten" um Bücher zu lesen, war - wie ihr euch hoffentlich denken könnt - nicht besonders einfach. 

Viel Hilfe beim Umzug hatten wir nicht, ich konnte nichts tragen... mein Mann hat sich hübsch den Rücken verdorben.

Ich weiß, ich habe viele Bücher, Verlage vernachlässigt, auch Lovelybooks, und Rezensionen erschienen mit großer Verzögerung (tun sie immernoch). Dafür möchte ich mich hiermit noch einmal in aller Deutlichkeit entschuldigen. Ich bin ein Mensch, der wenn er etwas macht, es gut machen will. Und mache mir dann selbst Stress, wenn es einfach nicht geht. Also kam zu allem noch das schlechte Gewissen dazu.

Trotz aller Widrigkeiten habe ich es dieses Jahr zur Leipziger- als auch zur Frankfurter Buchmesse geschafft. Und sogar spontan zur Coimiccon - im Kirby Belflair (Heliosphere) Cosplay. Inklusiver schlechter Perücke XD

Blogtechnisch war es ein gutes Jahr. Ich darf für den Papierverziererverlag bloggen, als auch für meinen Lieblingsverlag, die Greenlightpress. ♥ 
Gelesen habe ich dieses Jahr 66 Bücher. Somit habe ich mein Ziel, jede Woche ein Buch zu lesen, erreicht und bin gespannt, wie viel ich nächstes Jahr schaffen werde.
467 Follower haben sich auf meine Seite verirrt. Mein Ziel von 500 habe ich leider nicht erreichen können, aber das ist auch euch nicht zu verübeln.

FBM war ein Schnellschuss von mir. Als mir im Oktober die Decke auf den Kopf fiel, bin ich morgens einfach losgefahren. Allein. Einfach weg. Und was soll ich sagen, ich hatte einer der schönsten Tage im Jahr! Ich habe Nanni getroffen, meine Lieblingsautoren der Greenlightpress (Andreas Suchanek, Nicole Böhm u.a.) und sogar ein Foto mit den Seelenwächtern gemacht! Nicht zuletzt durfte ich Ted Williams treffen! Ein Tag, von dem ich lange gezehrt habe und der mir sehr viel Kraft gegeben hat.

Der Tiefpunkt war dann im Dezember. Alles war zu viel in meinem Kopf und auch körperlich. Und ich verbrachte viele Tage bei Ärzten in Wartezimmern. Bin knapp einem langen Krankenhausaufenthalt entkommen. Weil ich der Überzeugung war, dass es mir dort noch schlechter ginge. Vieles wurde mir klar, über mich selbst, meinen Körper und das was mich ausmacht. Und ich hatte Angst, dass das bei vielen auf Abneigung stoßen würde. Vor allem bei meinen Freunden, meinem Mann.

Als mir dann der Boden unter den Füßen wegbrach, war aber genau mein Mann derjenige, der alles zusammengehalten hat. Der mich an der Hand nahm und mit mir gesprungen ist. Ein Mensch, der mich bedingungslos liebt, nicht durch obwohl, sondern gerade weil ich so bin wie ich bin. 

Dank ihm habe ich es doch geschafft, mein geliebtes Weihnachten zu feiern. Sogar in unserem neuen Haus, mit unseren kleinen Familien und viel zu lachen. Es war der schönste Heiligabend bisher und ich freue mich schon wirklich darauf, ihn nächstes Jahr zu wiederholen - mit noch einer kleinen Person mehr am Tisch.

Kurz vor Silvester, am 30.12. erreichte uns dann noch ein kleiner Neuzugang. Gleichzeitig erfüllte ich mir damit einen Lebenstraum. Denn ich hatte nie die Möglichkeit, mit einem Hund aufzuwachsen. So haben wir am 30. die kleine "Mana" abgeholt. Sie ist ein 8-Wochen alter Bordercollie und sorgt nun dafür, dass ich nachts um 3 mit Unterwäsche auf der Straße stehe und einen Kackhaufen feiere als wäre es meine Hochzeit.

Ja, es wird nicht leicht. Und ja, ich würde alles genauso machen.

Denn ich habe festgestellt, dass es in meinem chaotischen Leben gar keinen Alltag gibt. Er wird einfach nie in unser kleines blaues Haus hier einkehren. Kein Tag wird je wie der andere sein. Ich werde nie Zeit für alles haben und ich werde es auch nie jedem Recht machen können. Aber vielleicht muss ich das alles gar nicht. Ein bisschen Chaos, zum Beispiel einen rasierten Igel mit zur Krankengymnastik zu bringen, oder kein Fettnäpfchen auszulassen...das alles sind Dinge, die mich letztendlich ausmachen. 



Mein Leben wird immer anders und aufregend sein, mit kleinen Alltags-Eskapaden und großen Abenteuern. Mein Mann wusste, worauf er sich einlässt und er ist bereit, auch in Zukunft mit mir zu springen, wenn es nötig ist. 

Meine Vorsätze für 2018 sind:

mehr lachen - mehr tanzen - mehr ich selbst sein

und versuchen, eine gute Mama zu werden. 

Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich dieses Jahr unterstützt haben und für mich da waren. Bei den Verlagen und Autoren, die mir ihr Vertrauen schenkten, die ich persönlich kennenlernen durfte und dessen Geschichten mich verzaubern durften. DANKE an meine Leser, die sich das treu alles angehört haben, was in meinem Privatleben passiert ist und mir trotzdem nicht entfolgt sind. Ihr seid wirklich die Besten!

Ich möchte Danke sagen an alle, die da waren. Alle Umzugshelfer, Sponsoren von Essen und Kuchen. Alle, die am Richtfest da waren und mich nicht allein gelassen haben. 

Nicht zuletzt danke an eine ganz besondere Person, Nanni, die mir dieses Jahr sehr viel geholfen hat. 

Der größte Dank geht aber an meine Mama, meine Schwiegermama und natürlich an meinen Mann. Ohne euch würde dieses Haus nicht stehen. ♥






Lesung mit Kai Meyer

Lesung mit Kai Meyer "Die Spur der Bücher"

Quelle: www.kai-meyer.de

Haiaiai, endlich schaffe ich es doch noch, einen kurzen Bericht online zu stellen.

Hier in Bamberg gibt es (leider) keine richtig große Buchhandlung, umso freudiger war ich gestimmt, als ich bei unserem „Hübscher“ gesehen hatte, dass Kai Meyer zu einer Lesung kommt! :D




Schon als Kind habe ich „Die sieben Siegel“ verschlungen und auch „Die Seiten der Welt“ habe ich angefangen und war sofort begeistert.



Es war also klar – da muss ich hin!



Meine Bloggerkollegin Nanni hat uns also die Karten besorgt.



Foto: Nadine Uzelino


Es war meine erste Lesung in dem Sinne. Auf Buchmessen saß ich schon immer mal in einer drin, aber abends in einer Buchhandlung war schon sehr viel angenehmer. Eine nette Dame führte uns sehr witzig und ungezwungen durch den Abend.
Kai Meyer ist ein sehr netter und sympathischer Mann. Da macht es doch gleich noch mehr Spaß, seine Bücher zu lesen. Er hat etwas von seiner Recherchearbeit in London erzählt und auch viele Fragen beantwortet.
Die Lesung selbst war super toll und ich wollte das Buch "Die Spur der Bücher" auch sofort kaufen. Leider hat mir mein Portmonnaie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da hat man mal die Gelegenheit, es auch gleich signieren zu lassen und dann sowas. U_U Man kann eben nicht immer alles haben.


Kai Meyer bei der Lesung im Hübscher Bamberg
Foto: Nadine Uzelino


Es war wirklich ein schöner Abend und Kai Meyer sollte alle Sympathien auf seiner Seite haben! Mich hat er als Autor und Mensch überzeugt und ich werde mich weiterhin von ihm in fantastische Welten entführen lassen.

Vorstellung: Heliosphere 2265

=[ Heliosphere 2265 ]=

                                     von Andreas Suchanek






=[ Worum geht’s denn eigentlich? ]=

Am 01. November 2265 übernimmt Captain Jayden Cross das Kommando über die Hyperion. Ausgerüstet mit einem neuartigen Antrieb und dem Besten an Offensiv- und Defensivtechnik, wird die Hyperion an den Brennpunkten der Solaren Union eingesetzt.
Bereits ihr erster Auftrag führt die Crew in ein gefährliches Abenteuer. Eine Bergungsmission entartet zur Katastrophe. Umringt von Feinden muss Captain Cross eine schwerwiegende Entscheidung treffen, die über Leben und Tod, Krieg oder Frieden in der Solaren Union entscheiden könnte ...

Eine Waschechte Space Opera. Ohne zu viel Technikgeschwafel, mit tollen Charakteren!

Heliosphere fand ich von Anfang an toll und spannend und Andreas kann einfach gut Geschichten erzählen. Viele, die Sci-Fi schreiben, können das nämlich leider nicht und verrennen sich in irgendwelche Technologien, die am Ende zu schwer zu verstehen sind und man tendiert dazu, ganze Abschnitte zu überfliegen.



=[ Was ist bisher erschienen? ]=

Ebooks:
Bisher erschienen 46 Bände von Heliosphere und die Serie nähert sich unaufhaltsam dem großen Finale. Danach wird sie lt. Aussage von Andreas Suchanek erstmal pausieren. Puh! Genug Zeit für uns, aufzuholen ;P

Hardcover:
5 bisher erschienen (zu je 19,90 Euro):

Staffel 1:
Der Fraktalzyklus 1: Dunkle Fragmente (Ebooks 1-4)
Der Fraktalzyklus 2: Entscheidungen (Ebooks 5-7)
Der Fraktalzyklus 3: Kampf um Nova (Ebooks 8-10)
Der Fraktalzyklus 4: Omega (Ebooks 11-12)

Staffel 2:
Der Helix-zyklus 1: Die andere Seite (Ebooks 13-15)
Der Helix-zyklus 2: Die Büchse der Pandora (16-18) vorbestellbar!

Hörspiele:
8 (zu je 7,99 Euro) sind bereits erschienen, Teil 9 erscheint im Januar

1: Das dunkle Fragment
2: Zwischen den Welten
3: Enthüllungen
4: Das Gesicht des Verrats
5: Im Zentrum der Gewalten
6: Die Bürde des Kapitäns
7: Die Opfer der Entscheidung
8: Getrennte Wege
9: Entscheidung bei Nova (ab 21.01.18 - bereits vorbestellbar!)

Jayden Cross wird übrigens von Wanja Gerick gesprochen, der auch den Sam Winchester spricht ;)

Spin-Off: Das Marsprojekt

2 Taschenbücher (zu je 14, 90 Euro), noch nicht abgeschlossen
1. Das Marsprojekt: Das dunkle System (Bände 1-3)
2. Das Marsprojekt: Die Rückkehr (Bände 4-6)



=[ Die Charaktere ]= (Quelle: Greenlightpress.de)



Jayden Cross
Jayden Cross entstammt einer der großen Firmendynastien Terras und erhielt von seiner Familie heftigen
Gegenwind, als er die Offizierslaufbahn einschlug. Er setzte sich jedoch durch und ging seiner eigenen Wege. Als
er bei der Schlacht von Tikara 2 einen Angriff des Eriin-Bundes zurückschlägt, wird er zum Captain befördert.
Doch als Kommandant der HYPERION muss er sich Problemen stellen, die sein bisheriges Leben, seine Familie
und sein Vertrauen in Freunde für immer zerstören könnten.





Noriko Ishida
Commander Noriko Ishida ist die Stellvertreterin von Captain Jayden Cross. Im Verlauf ihrer Karriere wurde die selbstbewusste
Frau das Opfer ihrer eigenen Ehre. Sie deckte eine Verschwörung im Kreis der Admiräle auf, wodurch sie zur Zielscheibe des
Hardliners Michalew wurde. Seitdem hat sie in ihm einen mächtigen Feind, vor dem sie nirgends sicher ist.
Allein der Protegierung durch Admiral Björn Sjöberg verdankt sie es, den Posten auf der HYPERION erhalten zu haben. Ein
Posten, der ihre letzte Chance auf Rehabilitierung ist. Doch früher als sie denkt, gehen die Attacken ihres Feindes weiter.





Lukas Akoskin

Lieutenant Commander Lukas Akoskin ist zuständig für die Waffen- und Taktikkonsole. Er gehört mit seinen 26 Jahren
zu den jüngeren Crewmitgliedern. Sein ausgezeichneter taktischer Instinkt und sein breit gefächertes Fachwissen in
der Waffentechnik, verschafften ihm jedoch problemlos den Posten auf der HYPERION. Sein Selbstbewusstsein ist manchmal
etwas zu ausgeprägt und sein hauptsächlicher Zeitvertreib besteht aus Flirten.
Niemand ahnt, dass der Offizier ein gefährliches Geheimnis verbirgt.





Tess Kensington

 Lieutenant Tess Kensington entstammt Tikara 2, einer Welt, die auch als "Die Slums" der Solaren Union bezeichnet wird.
 Ihre Eltern wurden einst von einem Killer des Ketaria-Bundes getötet, als Tess noch ein kleines Mädchen war. Sie wurde
 von Zieheltern großgezogen. Tess besitzt eine Kämpfernatur. Ihr gelang nicht nur die Aufnahme auf die Akademie der
 Space Navy, sie ergatterte auch den Posten auf der HYPERION.





Peter Task

Lieutenant Peter Task gehört zur eher ruhigen Sorte. Nach außen wirkt er stets abwesend und gedankenversunken. Gerüchte
besagen, dass er die Aufnahmeprüfung der Akademie erst beim dritten - und gleichzeitig letzten - Versuch bestand. Trotzdem
ist er ein ausgezeichneter Navigator und steuert die HYPERION fast schon instinktiv.
Seine Freizeit verbringt er meist alleine und hält sich von anderen Crewmitgliedern fern. Warum das so ist wird erst klar, als
er sich jemandem anvertraut.




Sarah McCall
Lieutenant Sarah McCall ist das jüngste Mitglied der Brückencrew. Zwar ist sie kompetent auf ihrem Gebiet, jedoch
gleichzeitig die Schüchternheit in Person - was vermutlich ihrer Jugend geschuldet ist. In den meisten Kollegen weckt
sie daher einen Beschützerinstinkt.
Neben ihrer Funktion an der Kommunikationskonsole, versteht sie sich außerdem auf das Hacken von Computern.
Eine Fähigkeit, die nicht selten benötigt wird.





Giulia Lorencia

Lieutenant Commander Giulia Lorencia ist die Chefingenieurin (L.I.) der HYPERION. Sie ist ein Genie hinter der
Tastatur und verbracht einen Großteil ihrer Zeit an der Akademie damit, sich in fremde Computernetze zu hacken.
Das brachte ihr einige Schwierigkeiten ein. Ein Ausschuss verhandelte ihren Fall und hätte sie beinahe vom Studium
ausgeschlossen. Nur dem Eingreifen von Admiral Björn Sjöberg verdankt sie es, nicht herausgeworfen worden zu
sein.
 


Weitere Charaktere







Der Brückencrew stehen weitere Offiziere zur Seite:

Alpha 365 ist der genetisch designte Sicherheitschef. Er verfügt über keinerlei Emotionen, kann Befehle seines
rechtmäßigen Vorgesetzten nicht infrage stellen und besitzt ein perfektionierten Spürsinn.

Die Chefärztin, Doktor Irina Petrova, kommandiert resolut und zielstrebig die Krankenstation.

Janis Tauser ist der Schiffspsychologe und jahrelanger Freund von Jayden Cross.








Zur Leseprobe geht es hier:


Große Kostenlos-Aktion der Greenlightpress!



Bis einschließlich 15.Januar 2018 könnt ihr von der großen Kostenlosaktion der Greenlightpress profitieren und erhaltet die ersten beiden Bände von Heliosphere 2265 umsonst!

Links zu den Eshops und mehr Informationen findet ihr unter:


oder Klick aufs Bild!


Das bin übrigens ich als Kirby Belflair. Kennt ihr sie schon? :O




Rezension: Das Turnier

Das Turnier 

                     von Matthew Reilly



=[ Harte Fakten ]=

- Festa Verlag 2017
- 416 Seiten
- Taschenbuch 13,99 Euro

=[ Worum geht's denn eigentlich? ]=

Klappentext:
m Jahr 1546 ruft Sultan Süleyman der Prächtige alle Könige Europas auf, an einem nie dagewesenen Wettstreit teilzunehmen: In einem großen Turnier soll der beste Schachspieler der Welt gefunden werden. 
Unter den Tausenden Reisenden, die in Konstantinopel eintreffen, reihen sich auch der Gelehrte Roger Ascham und seine Schülerin Elisabeth ein, Tochter von Heinrich VIII. 
Bald überschlagen sich die Ereignisse: Schon vor Beginn des Turniers wird ein christlicher Kardinal ermordet und grässlich verstümmelt. Es folgen weitere barbarische Todesfälle. 
Elisabeth und Ascham erkennen bald, dass sie selbst die eigentlichen Figuren in einem verderbten Spiel sind, in dem es ums nackte Überleben geht ...
Ein historischer Action-Thriller, der an "Der Name der Rose" und die Abenteuer von Sherlock Holmes erinnert.
=[ Meine Meinung ]=
Nach "Der große Zoo von China" ist "Das Turnier" mein zweites Buch von Reilly und was soll ich sagen, es gefällt mir sehr gut!
Wie alle Bücher aus dem Festa Verlag ist es hochwertig verarbeitet und hat ein schönes Cover. Im Buchladen hätte ich es mir auf jeden Fall näher angesehen.
Aber...Historie und Action-Thriller...das kam mir gleich etwas spanisch vor und ich muss sagen, als "Action-Thriller" habe ich das Buch jetzt nicht so wirklich empfunden. Die Geschichte ist gut, soweit ich das beurteilen kann auch gut recherchiert und Charaktere und Schauplätze kommen sehr gut zur Geltung. Aber knallharte Actionszenen, wie in "Der große Zoo von China" waren meines Erachtens nicht zu finden. Ist ja auch nicht schlimm. Das mag der fehlenden Technik in 1546 geschuldet sein, würde aber auch gar nicht dazu passen.
Ich kenne Reilly's andere Action Bücher nicht, aber ich finde er beweist damit, dass er auch anders kann - historisch anders. 
Beworben habe ich mich auf das Buch, weil ich Krimis, bzw. Mordfälle liebe und wenn das alles noch etwas mit geschichtlichem Setting untermalt wird, finde ich das sozusagen doppelt gut.
Verrückt ist, das Buch ist sowohl etwas für einen Historienleser, als auch für einen Krimi (bzw. Thriller) Fan. Die Schauplätze und Charaktere sind so herausragend, dass ich das Buch eigentlich echt jedem empfehlen kann, der Lust auf "was anderes", aber sehr sehr spannendes und gut unterhaltendes hat. 
Das kann Reilly nämlich sehr gut - unterhalten! Und das hat er hiermit auch wieder getan!
Tolles Buch! Ich hab gleich mal mein Schachspiel ausgepackt...
=[ Fazit ]=
Für mich zwar kein Action-Thriller, aber ein sehr guter historischer Krimi!
=[ Wertung: 4 von 5 ]=


Samstag, 23. Dezember 2017

=[ Londons Lost - Das Weihnachtsfest der Jenkins Bande ]=

Das Weihnachtsfest der Jenkins-Bande

Eine kurze Erklärung:
Auch dieses Jahr wurde im Baker Street Chronicle wieder zu einem Schreibwettbewerb aufgerufen. Zugrunde lag dieses Foto und ein kurzes Intro. Dr. Watson hätte dieses Foto in alten Unterlagen von Holmes gefunden und auf der Rückseite war die Jahreszahl 1982 zu lesen sowie die Namen der Herrschaften, die auf dem Bild zu sehen waren: "William Jenkins, Ernest Cooper, Joseph Hall, Freddy Langmore, "George Finnemore", Archie Jones und James Jenkins".

Für den Wettbewerb sollte man sich nun eine Geschichte dazu ausdenken und das habe ich natürlich getan.

Ich wünsch euch viel Spaß mit June und Delihla!




London, Dezember 1903
Nachdenklich drehte June das Foto in ihren Fingern. „Also ich weiß nicht, Delihla...irgendwie sieht das komisch aus.“, mit zusammengekniffenen Augen versuchte sie, auf dem Bild weitere Details zu erkennen.
Das Mädchen mit den langen dunklen Locken riss ihrer Freundin das Foto aus der Hand und hielt es dicht vor die Augen.
„Das weiß ich auch... Es ist schon ein sehr seltsames Bild.“, sie drehe es um und las laut „Weihnachten 1892... obwohl es noch nicht so alt ist, sieht es ziemlich dilettantisch aufgenommen aus.“
Auf dem Foto von 1892 war ein Weihnachtsbaum auf einem Tisch zu sehen, um den sieben Männer herumsaßen. Ihre Namen waren auf die Rückseite geschrieben, mit ordentlicher Schrift. Doch das Bild war überbelichtet und Details waren kaum zu erkennen.
Delihla öffnete ihr Notizbuch und zückte den Bleistift. „Wir schreiben erst einmal auf, was wir sehen. Der Weihnachtsbaum sieht seltsam aus... und der Hintergrund auch.“ June pflichtete ihr bei: „Und schau dir den Kerl hinter dem Baum an. Überhaupt sehen alle ziemlich – halt!! Ist das … ist das James??“, rief June und griff wieder nach dem Bild, doch Lihla hielt es entschlossen fest und sah ihre impulsive Freundin ratlos an.
„Wer bitte ist James?“
„James Jenkins! Der und sein kleiner Bruder waren mal welche von uns, bei der Baker Street Bande. Aber dann begann James sich am Hafen rumzutreiben.“ June nickte. „Ja, das muss James sein. Auch wenn er irgendwie seltsam verkleidet aussieht.“
„Kennst du noch jemanden auf dem Bild?“ Lihla schrieb schnell einige Notizen in ihr Buch und kringelte den Namen „James Jenkins“ ein, während June das Foto weiter studierte. „Hm...ganz links ist sein Bruder Bill. Und der eine Mann da mit der Pfeife erinnert mich auch an jemanden...aber ich weiß nicht an wen. Der kommt mir bekannt vor. Irgendwo habe ich den schon mal gesehen.“
Lihla sah ihr über die Schulter und zog eine Augenbraue hoch. „Also ich finde der sieht aus wie einer dieser gelackten Schmieraffen, auf dem Poloplatz. Die haben mehr Fett in den Haaren als Haushalte das ganze Jahr zum Kochen brauchen.“ June lachte und schüttelte den Kopf. Sie wusste genau, wie froh ihre Freundin Delihla war, den gehobenen Kreisen zu entfliehen.

Am Weihnachtsmorgen war das Bild in June's Briefkasten gewesen und eigentlich konnte es nur von einem kommen – Sherlock Holmes. Er hatte ihr wohl mal wieder ein Rätsel aufgegeben und keine Information mehr verraten, als nötig waren. Nun war June's Kampfgeist geweckt und sie traute sich nicht eher zu dem Meisterdetektiv, bis sie das Rätsel mit Lihla zusammen gelöst hatte. Jetzt saßen sie schon seit einiger Zeit in Wiggins' Wohnung und brüteten darüber. Die Hinweise waren wirklich sehr dürftig und die zwei Mädchen waren sich nicht sicher, wo sie überhaupt ansetzen sollten. Dennoch ging eine Faszination von diesem Foto aus, es sah eben nicht so aus wie das durchschnittliche Weihnachtsfoto.

„Ich bleibe dabei: Der Mann hinter dem Baum sieht echt seltsam aus. Und dieser Baum... wer hängt denn da so ein Bild an den Baum?“
„Du Doofi...das ist wahrscheinlich ein Toter, dem zum Weihnachtsfest gedacht wurde. Es sieht aus wie eine Frau.“, flüsterte Lihla und schrieb den Gedanken sofort auf. Sie besah sich ihre Notizen:

James Jenkins ganz rechts, Bill Jenkins ganz links – Ex Baker Street Kriminalpolizei
Weihnachtsbaum und Hintergrund komisch
Bild überbelichtet – Amateurfotograf?
Tote am Baum

Den letzten Punkt besserte sie in „Foto einer Toten am Baum“ aus.
„Ich finde, wir sollten zu James Jenkins gehen und ihn fragen.“, sagte Lihla und erhob sich, um ihren Mantel anzuziehen.
„So mag ich das! Direkt mal in die Zeugenbefragung gehen!“, June zupfte ihre Mütze zurecht und die beiden brachen auf.

Der Weihnachtsmorgen war geschäftig. Menschen versuchten verzweifelt noch ein paar Geschenke aufzutreiben und kauften Kochzutaten. „Wie überraschend immer dieses Weihnachten kommt!“, murmelte June, als sie sich durch die Massen schlängelten. Wenigstens war das Wetter dankbar und es war nicht zu kalt. Delihla wäre sicherlich auch ohne ihren dicken Mantel ausgekommen, aber er stand ihr nun mal so gut und das bisschen Eitelkeit konnte sie leider nicht ablegen. Dennoch war June sich sicher, dass ihr dünner Flickenmantel praktischer war, als dieser modische Fetzen. Als es Richtung Docks ging, wurde der Wind etwas biestiger und zerrte an June's Mütze. Feuchte Luft schlug ihnen entgegen, mit einer Mischung aus Algen und Kohle. Die Themse war kein schöner Fluss zu dieser Zeit und die Docks keine Vorzeigegegend. Der Gestank nach totem Fisch war allgegenwärtig und die Mädchen mussten schon bald durch den Mund atmen. Der Fluss war nicht sauber und klar, sondern unappetitlich braun-grau.
„Ich hab mir das ja immer romantischer vorgestellt...so ein Spaziergang bei den Docks.“, Lihla verzog das Gesicht. „So mit klarem Wasser und Meeresbrise.“
June schnaubte. „Du kannst froh sein, wenn du hier keine Wasserleiche findest. Die hat zwar auch einen Hauch von Meeresbrise, allerdings sieht die nicht mehr so frisch aus. Glaub mir...an der Küste mag das ja romantisch sein...aber hier in London gibt's nichts Romantisches.“

Calais, März 1893
Atemlos stolperte eine junge Frau den Pier entlang. Ihre roten Haare, die wohl einst zu einem schönen Dutt zusammengesteckt waren, standen ihr wild vom Kopf ab. Ein schwarzes langes Cape wehte hinter ihr her. Bei jedem zweiten Schritt blickte sie sich hektisch um. Sie war offenbar in großer Eile und wirkte gehetzt und verängstigt. Immer wieder sah sie auf ein Stück Papier und keuchte plötzlich vor Erleichterung, als sich vor ihr der gesuchte Schriftzug auf einem Holzbrett auftat. Abrupt blieb sie stehen und strich sich das wirre Haar hinter die Ohren. Sie schloss die Augen und atmete ein paar mal tief durch. Dabei ließ sie ihren Zettel fallen, der schwungvoll zu Boden segelte.
Gerade, als sie sich bücken wollte, kam ihr ein Mann zuvor und schnappte ihn ihr weg. Verwundert wandte sie sich ihm zu, doch er hatte bereits einen Blick auf die Notiz darauf geworfen. Sein Bart war ein kleines bisschen zu lang und ungepflegt, sonst wäre er sicher ein attraktiver Mann mittleren Alters gewesen. Er war gut gekleidet und in einer Hand hielt er eine Pfeife, die allerdings erloschen war.
„C'est ici.“, sagte er und wandte die Hand Richtung eines Segelschiffs, das direkt am Steg vertäut war und die besten Jahre lange hinter sich hatte.
„Was?“, fragte die junge Frau reflexartig auf deutsch und schüttelte kurz den Kopf.
„Das ist hier.“, antwortete der Mann auch auf deutsch und musterte sie von oben bis unten. Überrascht, auf einmal ihre Muttersprache zu hören, sah sie ihn einfach nur einen Moment an und versuchte ihn einzuordnen. Ihre grünen Augen leuchteten klug und scharfsinnig. Sie konnte den Unbekannten nicht genau einschätzen und seit ihrer Flucht aus Deutschland traute sie niemandem mehr.
„Danke. Äh, Merci.“, sagte sie und ging schnellen Schrittes auf das Schiff zu, ohne den Mann dabei aus den Augen zu lassen. Seltsamer Typ. Dennoch war sie für jede Information und Hilfe dankbar.
„Hallo?“, rief sie, als sie auf Anhieb niemanden entdecken konnte und sofort tauchten zwei Männer auf dem Schiff auf. „Jenkins?“, fragte sie.
„Yes Ma'am!“, antworteten die beiden Männer mit Londoner Akzent im Chor und krempelten ihre nassen Ärmel hoch.
„I...I need your help.“, schwenkte sie nun ins Englische. „Ich muss weg und zwar am besten schnell.“ Die beiden Männer sahen sich an und nickten dann einem Mann zu, der hinter der Frau das Schiff betreten hatte. Es war der nette Gentleman vom Steg und er trat hinzu und seufzte.
„James, William... Darf ich vorstellen, das ist Frau Frederike Lang.“, sagte er und die rothaarige Frau griff sich fassungslos an den Hals. „Woher wissen Sie das?“, brachte sie heraus.


London 1903
James Jenkins war nicht schwer ausfindig zu machen. Am Hafen stand ein Segelschiff, das den Namen „Jones“ trug und schon sehr in die Jahre gekommen war. Der Name des Schiffes war mit hoher Wahrscheinlichkeit schon ziemlich oft übermalt worden. Es hatte also ungewöhnlich oft den Besitzer gewechselt. June wusste, dass Jenkins manchmal in der Stadt war, denn ab und an sah er bei Sherlock Holmes vorbei. Wahrscheinlich um sich der alten Zeiten zu erinnern. Der Mann war ein paar Jahre älter als sie, sah aber deutlich verbrauchter aus, von der harten Arbeit an Bord gezeichnet. Sein Gesicht war wettergegerbt und er war mittlerweile nicht mehr hager, sondern von stämmiger Statur. Falten zogen sich über Stirn und Wangen, ein bereits ergrauter Bart rahmte das freundliche Gesicht ein. Schon früh waren ihm die Haare ausgegangen und inzwischen hatte er sie fast gänzlich kahl geschoren. Man konnte aber im Großen und Ganzen sagen, die Jahre auf See hatten ihm gut getan. Als er June auf sich zukommen sah, ließ er sofort das Tau fallen, das er in Händen hielt und lief den Mädchen mit ausgebreiteten Armen entgegen. „Juune! Du kleine Landratte, was machst du denn hier?“ Lächelnd fiel June in seine Arme und Lihla wurde klar, dass die zwei eine tiefe Freundschaft verbinden musste. Sie wandte den Blick ab und musste kurz daran denken, dass sie noch nie eine Umarmung bekommen hatte, außer natürlich von ihrem Dad. Aber der zählte nicht.
Nachdem die beiden sich umarmt und kurz miteinander gescherzt hatten, räusperte sich Lihla geschäftsmäßig und zückte ihr Notizbuch.
„Wir sind hier um ein...einen Fall...also eher ein.“, stammelte sie. Ja, warum waren sie denn eigentlich hier? Ein Fall war es ja wohl nicht. Sie zog das Foto aus ihrem Buch und hielt es dem Seemann hin, der sie locker um zwei Köpfe überragte. „Ähm, wir haben hier ein Foto.“ begann sie und June nickte und führte den Satz weiter „Und das kommt uns böhmisch vor.“
„Spanisch.“, verbesserte Lihla sie mit einem leisen Husten. James griff nach dem Foto und nach einem Stirnrunzeln drehte er es um und überflog die Namen – bevor er in Gelächter ausbrach.
„Wo habt ihr das denn her??“, fragte er und gab Lihla das Bild zurück. Irritiert sahen sich die Mädchen an. „Es war in meinem Briefkasten. Sicher ist es von Holmes und ich soll herausfinden, was es damit auf sich hat.“, June zuckte die Schultern. „Ich hab dich natürlich sofort erkannt. Du bist der Mann ganz rechts. Und so dachten wir, kommen wir mal zu dir.“

James kratzte sich am Kinn. „Ich bin nich' sicher, ob ich dir das alles erzählen darf.“, meinte er und schaute sie ernst an. „Das ist ne ziemlich witzige Geschichte. Eigentlich wollten wir nur aus dieser verdammten Stadt raus.“, sagte er und deutete Richtung London.
„Na, das hat ja super funktioniert.“, lachte Delihla und verstummte sofort nachdem June sie hart mit dem Ellbogen in die Rippen stieß.
„Wir haben dieses Schiff hier von Jones beim Zocken gewonnen.“, Jenkins grinste und entblößte die in oder andere Zahnlücke. „Wir fuhren mit Jones nach Calais. Und arbeiteten dort am Hafen. Geplant war eine Fahrt nach Übersee und wir alle taten alles um schnell viel Geld zu verdienen. Es war nicht immer alles legal“, er sah sie eindringlich an und zwinkerte. „Um ehrlich zu sein, wollten wir ein paar Leute in Sicherheit bringen die...sagen wir, auf die die Polizei und so nicht gut zu sprechen war. Einer davon war ein Belgier namens Kloth Derriere, den wir hilfsweise in „Joseph Hall“ umgetauft hatten. Er hatte es sich in Belgien mit den falschen Leuten verscherzt und war nur knapp mit dem Leben davon gekommen. Die Polizei suchte ihn wegen mehrfachen Mordes, obwohl er die Dinge die ihm vorgeworfen wurden nie getan hatte. Der Plan war also, ihn in ein anderes Land zu schaffen. Aber wir brauchten erst noch Proviant. Und bevor wir genug zusammen hatten, bekamen wir mehr Passagiere als uns lieb waren. Dazu einen ganz berühmten.“
„Wen denn?“, fragte Lihla und schrieb fleißig alles mit. James Jenkins schlug mit der Hand klatschend auf seinen Oberschenkel: „Haha! Keinen geringeren als Mister Sherlock Holmes!“
Delihla stoppte und June öffnete den Mund um etwas zu sagen.

Calais, März 1893
Nachdem die junge Frau, Frederike Lang, allen Anwesenden vorgestellt worden war, einschließlich dem Koch Cooper und dem Flüchtigen Derriere, saßen Sie nun um den Captain's Table und leerten ein Glas Schnaps nach dem anderen. Sie erwies sich als außerordentlich trinkfest und erzählte den neugierigen Männern ihre Geschichte. Ihr Name war Frederike Lang und sie war Historikerin und Naturforscherin aus Deutschland. Durch Recherche und Fleiß, aber nicht zuletzt durch eine gehörige Portion Glück war es ihr gelungen, einen verschollen geglaubten Wikingerschatz an der Ostsee zu heben. Ihr größter Triumph und zugleich ihr schlimmster Alptraum.
„Ich war allein und der Schatz war nicht üppig und bestand hauptsächlich aus Armreifen und Münzen. Ich konnte alles mit einem Mal in meinem Mantel nach Hause tragen. Aber irgendwer hat Wind davon bekommen, oder mich beobachtet und seitdem ist mein Leben kein Leben mehr.“, schluchzend vergrub sie das Gesicht in den Händen, aber es dauerte nicht lange, bis sie sich wieder im Griff hatte.
„Man lauerte mir Zuhause auf, schickte mir Morddrohungen und tote Tiere, sogar Blut. Wohin ich auch ging, sie waren mir immer auf den Versen. Und es wurde unerträglich. Sie folgten mir durch Deutschland, durch Belgien nach Frankreich. Es schien, als würden sie immer genau wissen, wo ich als nächstes hinwollte.“
„Wer denn?“, fragte Cooper und rückte seine Brille zurecht, die mehr zerbrochen als ganz war.
Sie flüsterte. „Die Wikinger.“, und die Herren zogen ehrfürchtig die Augenbrauen hoch. Frederike lachte. Und schenkte sich noch etwas Alkohol nach.
„Nein im Ernst, ich weiß es nicht. Vielleicht hat mich jemand gesehen, der den Schatz einfach für sich haben will. Aber ich bin der Meinung, er ist so bedeutend, dass man ihn erst richtig untersuchen und an ein Museum geben sollte.“
Kurze Stille machte sich breit und anerkennend betrachteten die Männer die Frau. Es war klar, dass sie andere Ideale vertraten und den Schatz wahrscheinlich sofort verkauft hätten.
Holmes, der sich der jungen Frau und allen anderen als George Finnemore vorgestellt hatte, schaltete sich ein. „Ich habe davon gehört Miss Lang, wenn auch nur zufällig. Ihr Verschwinden ging bereits durch die Presse und ihre Erscheinung ist zugegebenermaßen durchaus einprägsam.“
Inzwischen hatte Holmes die Pfeife angezündet und nahm immer mal wieder einen tiefen Zug.
„Ich denke, es handelt sich tatsächlich um sogenannte Raubgräber, gepackt von Raffgier und der Aussicht auf Geld. Männer ohne Skrupel und Sie können froh sein, dass Sie es überhaupt bis nach Frankreich geschafft haben.“
„Ich bin seit Monaten unterwegs, Mr. Finnemore. Mein Weg führte über Belgien und sagen wir, ohne Freunde hätte ich es nicht geschafft.“, sagte Frederike und hob ihr Glas an die Lippen.
„Nur scheinbar sind diese Freunde nicht mutig genug, um Sie bei sich aufzunehmen.“, nachdenklich fuhr Holmes sich durch den Bart. „Aber deswegen sind Sie ja hier. Darf ich fragen, wann genau Sie den Schatz gehoben haben?“
Frederike überlegte kurz. „Im Winter, am 23ten November.“
„Warum sind Sie nicht zur Polizei gegangen?“, fragte Bill das Naheliegende. Darauf wusste die junge Frau natürlich prompt eine Antwort. „Weil ich dann weder in Sicherheit wäre, noch den Schatz hätte. Ich bin sicher, sie hätten ihn mir abgenommen. Schließlich gehört er mir nicht. Ich habe ihn nur gefunden und möchte ihn untersuchen.“
„Was noch viel interessanter ist...“, warf James Jenkins ein, und sprach damit wohl aus, woran alle sofort gedacht hatten. „Wo ist denn der Schatz jetzt?“
Die Männer sahen sie an und sie grinste. Dann griff sie unter ihren langen Umhang und warf etwas auf den Holztisch. Es war ein silberner, reich verzierter Armreif.

London, Dezember 1903
„Ein toller Freund.“, meinte Delihla als sie missmutig den Rückweg antraten. Erfahren hatten sie schmerzlich wenig. Jenkins wollte nichts verraten. Was Lihla in ihr Notizbuch geschrieben hatte war, dass die Tote auf dem Bild am Baum „Frederike Lang“ hieß, dass James kleiner Bruder William vor Jahren Skorbut zum Opfer gefallen war und dass der Mann, der auf dem Foto mit „George Finnemore“ beschrieben wird, kein anderer war, als Sherlock Holmes selbst.
Als die Mädchen ein paar Schritte gegangen waren, hielten sie kurz inne und gingen ihre Notizen noch einmal durch. Die Puzzleteile waren da. „Schau mal, findest du nicht, dass „Frederike Lang“ und „Freddy Langmore“ ziemlich ähnlich klingt?“, meinte Lihla und besah sich das Foto noch einmal. Es war perfekt aufgenommen, um nichts genaues darauf zu erkennen.
„Zufall?“, meinte June und kickte nach einem Stein. „Wir wissen, dass das Schiff vorher Jones gehört hat und Jenkins es beim Kartenspielen gewann. Jones war laut James ein mürrischer Zeitgenosse, der jedoch stets zu seinem Wort stand und James und Bill brauchten ihn, wegen seinem know-how. Der Koch hieß Ernest Cooper. Und wenn der eine Mann, George Finnemore, da Holmes ist“, sie deutete auf den Mann mit Pfeife „wer ist denn der andere da?“ „Joseph Hall.“, las Lihla. „Das ist der flüchte Belgier gewesen, der eigentlich Koth oder so hieß.“ Inzwischen hatte sie ihre Notizen weiter vervollständigt, doch die Teile wollten sich in ihrem Kopf nicht zusammenfügen.
„Ob Watson von dem Foto überhaupt weiß?“, fragte June auf einmal und nahm ihre Mütze ab um sich durch die strubbeligen Haare zu fahren.
Lihla legte das Foto zurück in ihr Notizbuch und machte Anstalten zu gehen. „Heute morgen war er auf jeden Fall bei Mr. Holmes zum Tee. Vielleicht haben wir Glück und er ist noch da.“
„Dann auf auf in die Baker Streeeeet!“, rief June und sprintete los. Delihla eilte ihr keuchend und augenrollend hinterher.

Calais, März 1893
Nachdem die Geschichte erzählt und Frederike zu Bett (oder besser gesagt zu Koje) gegangen war, lag Sherlock Holmes alias George Finnemore noch lange wach. Er grübelte und war völlig in sich gekehrt. Während das Schiff sanft auf den Wellen schaukelte, saß er auf einer hölzernen Bank und zog an seiner Pfeife, die längst erloschen war. Doch er war so in Gedanken, dass es ihn nicht kümmerte. Es schien wie immer so, als hätte er sämtliche Vitalfunktionen eingestellt, so tief war er in seinen Überlegungen versunken. Gegen 4 Uhr morgens, die Sonne ging gerade auf, fuhr er plötzlich hoch, klatschte laut in die Hände und weckte damit den an Deck schlafenden Schiffskoch Cooper auf, der vor Schreck beinah über Bord gegangen wäre.

Ein paar Stunden später schlug Holmes dem ungleichen Trüppchen seinen Plan vor und erntete zuerst nur Gelächter. Als die Männer doch verstanden, dass er es ernst meinte, nickten sie nur und Frederike schlug erleichtert und glücklich ein. Zum ersten Mal gab es Hoffnung ihren Peinigern zu entgehen. Sie scheuchte die Männer für ein paar Stunden vom Schiff und als diese abends zurück kamen, war der Innenraum des kleinen Seglers nicht wieder zu erkennen.
Sherlock Holmes lachte schallend, als ein junger Mann ihn an Deck empfing, und Cooper und Jones zückten die Messer, beim Anblick des Fremden, der sie so schamlos angrinste.
„Beruhigen Sie sich, Herrschaften. Sie wollten doch nicht unsere Hauptakteurin abstechen!“
„Frederike?“, japste Archie Jones.
Der grinsende junge Mann hatte kurze rote Haare, trug eine Stoffhose und ein Männerhemd und hatte etwas Schuhcreme im Gesicht. Aus der Ferne hätte man sie vielleicht für einen schmächtigen jungen Mann halten können, doch bei genauerem Hinsehen war ziemlich klar, dass es sich um die junge Historikerin handelte.
„Ab heute Freddy!“, sagte sie entschlossen und zwinkerte ihnen zu. „Sind sie bereit, meine Herren?“

London, Dezember 1903
Natürlich hatte June das Wettlaufen gewonnen und sie war kaum außer Puste, als sie in die Baker Street einbog. Meckernd und hechelnd kam Lihla hinterher, die Wangen rot vor Anstrengung. Sie spürte das Blut in ihrem Zahnfleisch pulsieren und hasste dieses Gefühl. „MEIN GOTT, du machst mich wahnsinnig!“, schimpfte sie und griff sich in die Seiten, die schmerzhaft brannten. „Wenn du unbedingt so was machen willst, dann renn' doch alleine den Regents Park auf und ab. Nicht mal der Hund ist so-“
„PSCHT!“, machte June und hielt den Finger vor dem Mund. Sie zog Lihla schnell in eine Seitengasse und sah vorsichtig um die Ecke. Lihla keuchte immer noch und ließ ihr Genick knacken. „Und das am Weihnachtstag, Herr Gott.“
„Wenn deine Oma hört, wie sehr du fluchst, näht sie dir den Mund zu.“, flüsterte June und kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können. Eine schwarze Silhouette war in ihr Blickfeld gehuscht.
„Was denkst du denn, von wem ich das Fluchen hab?“, gluckste Lihla und verschluckte sich an ihrer eigenen Spucke.
June zog sie wieder auf die Straße und ging einige Schritte. Ein paar Meter vor Ihnen lief eine Gestalt, komplett in einen langen schwarzen Umhang gehüllt, das Gesicht unter einer Kapuze verborgen. June war sich sicher, dies war ein typischer Klient für Sherlock Holmes. „Wir müssen ihr nach.“, flüsterte June und bewegte sich nun so unauffällig wie möglich. „Woher weißt du denn, dass es eine Frau ist.“, fragte Lihla und kam allmählich wieder zu Atem. Ihre Freundin bedachte sie mit einem „Ist das nicht so offensichtlich“-Blick und räusperte sich. „Schau dir die geschnürten Schuhe an. Und die fliesenden Bewegungen, eindeutig eine Frau.“
„Und wenn nicht?“, fragte Lihla.
Inzwischen waren sie fast an der Baker Street 221 B angelangt und die Gestalt lief direkt auf die Eingangstüre zu. Diese letzte Chance musste June nutzen. Sie machte einen Satz und zog die Frau kräftig am Umhang. Erschrocken fuhr diese herum und die Kapuze rutschte von ihren roten Haaren.
„HUH Sie...Sie sind die Tote am Christbaum!“, entfuhr es June laut.

Calais, März 1893
Das Innere des Schiffes war wie verwandelt. Unmengen von Papiergirlanden hingen von der Decke. Alles, was auf ein Schiff hindeutete, war mit einem weißen Laken verhängt. Auf dem großen runden Captain's Table thronte nun, über und über mit Girlanden bedeckt, ein falscher Weihnachtsbaum, gebastelt aus Draht und Tannenzweigen. Er war mit unzähligen Kerzen geschmückt und wirkte auf den ersten Blick sogar echt, Frederike hatte ein Bild von sich daran aufgehängt, wie Sherlock sie geheißen hatte. „D-das ist ja unglaublich.“, bracht der jüngere Jenkins hervor und kurz leuchteten seine Augen wie die eines kleinen Jungen. Gläser, Kerzen, kleine Geschenke standen auf dem Tisch und die Stühle waren arrangiert. Frederike, oder Freddy, musste sogar sauber gemacht haben. Es roch angenehm nach Tanne und Kartoffeln.
„Wie haben Sie das gemacht?“, fragte Cooper und schnüffelte interessiert an den Papiergirlanden. „Kartoffeln enthalten viel Stärke. Damit kann man Dinge zusammen kleben.“, lachte Freddy. „Und nun zieht euch alle um, damit wir an diesem Fest der Liebe alle hübsch aussehen!“

Mit gewachsten Bärten und Haaren nahmen die Herren wenig später um den Tisch herum Platz. Ein bestellter Fotograf betrat wenig später das Schiff und Sherlock begrüßte ihn. Es sollte ein ganz besonderes Bild werden. Aber eigentlich war es dem Fotografen ziemlich egal, was er da wie fotografierte, wichtiger war ihm, dass er dafür eine horrende Summe bekam. Mit bestem Schulfranzösisch gab Holmes ihm exakte Anweisungen. Das Bild sollte überbelichtet sein und sofort an die Deutsche Presse geschickt werden und zwar mit folgender Botschaft: „Der Jagd- und Naturfreunde Verein von Stuckenborstel trauert um seine langjährige Kollegin und Investorin Frederike Lang. Möge Sie in Frieden ruhen. Weihnachten, 1892. Deine Kameraden William Jenkins, Ernest Cooper, Joseph Hall, Freddy Langmore, George Finnemore, Archie Jones und James Jenkins. “
Freddy positionierte sich etwas hinter dem Baum und alle andere Herren versuchten so andächtig wie möglich zu wirken, starrten traurig auf den Tisch oder ernst in die Kamera. Sie mussten einige Sekunden verharren, bis es einen Knall gab und der Fotoapparat auslöste. Insgesamt wurden zwei Fotos geschossen und bald war der Fotograf wieder zurück an Land. Er hatte versprochen, die Platten zu entwickeln und ein Foto an die deutsche Presse, sowie eines an die Baker Street 221 B zu schicken. Jetzt galt es für die Mannschaft des Segelschiffs schnell zu handeln, bevor jemand Verdacht schöpfen konnte.
Kaum war der Künstler außer Sichtweite, schlugen die Männer das Holzschild vom Pier, übermalten den Namen „Jenkins“ sicherheitshalber mit „Jones“ und stachen in See.

Saint Helen's Island sollte die neue Heimat von Miss Lang und Joseph Hall werden, und auch ein paar Besatzungsmitglieder wollten sich dahin absetzen. „George Finnemore“ würde nicht bleiben, sondern alsbald als möglich nach London zurückkehren.

London, Dezember 1903
„Das klingt alles unfassbar.“, sagte June und nippte an ihrem Kakao.
Sherlock Holmes, Dr. Watson, die zwei Mädchen und „die Tote vom Christbaum“ saßen nun in den behaglichen Räumlichkeiten in der Baker Street 221 B und lachten über den vor Jahren gelungenen Streich. Auch wenn June und Delihla es diesmal nicht geschafft hatten, diese kuriose Geschichte aufzuklären, waren sie doch sehr erstaunt und erfreut darüber zu erfahren, was es wirklich damit auf sich hatte. Ein falsches Weihnachtsfest und die erfolgreiche Flucht einer Wissenschaftlerin nach St. Helen's Island.
Frederike Lang, die mittlerweile den Spitznamen Freddy angenommen und weitergeführt hatte, hatte sich ein Zuhause auf St. Helen's Island aufgebaut. Sie wollte es sich jedoch nicht nehmen lassen, sich bei ihrem Retter zu bedanken. Nach zehn Jahren nun, hatte sie sich endlich auf den Weg nach London gemacht.
Nachdem die Anzeige in der Presse veröffentlicht wurde, hatten die Drohungen gegen sie aufgehört und die Verfolger aufgegeben. Was den Wikingerschatz anging, den hatte sie nach langer Studie einem Museum an der Ostsee überlassen, an dass sie die Fundstücke anonym gesendet hatte. Alles, was von dieser Aktion geblieben war, waren dieses Foto und die Erinnerung an ein Weihnachtsfest, das nie stattgefunden hatte.
„Vielen Dank, Mr. Finnemore. Ich verdanke Ihnen mein Leben.“, sagte Freddy Lang und reichte Holmes lachend die Hand.

„Es war mir eine Ehre, Mister Langmoore, es war mir wirklich eine Ehre.“